Geschäft mit der guten Lage

KASSEL. Acht Millionen Euro inverstierte das Unternehmen Krug Internationale Spedition und Handelsgesellschaft in Bebra (Hersfeld-Rotenburg) und schafft 20 neue Arbeitsplätze in einem neuen, hochmodernen Logistikzentrum. 2011 soll es Betrieb gehen. Diese Nachricht bestätigte zum Auftakt des Logistik-Tages das „gute Zeugnis für Nordhessen“ das Alexander Nehm gestern in Kassel der Region ausstellte. Nehm ist Projektleiter der Logistik-Immobilienstudie des Fraunhofer Instituts Nürnberg.

Die Logsitikregion Nordhessen wächst und hat gute Karten. Für Nehm ist die zentrale Lage ein Alleinstellungsmerkmal. Unternehmen können dadurch späte Auslieferungstermine wahrnehmen. Die Fraunhofer-Studie zählt Nordhessen zu den Top-18-Regionen in der Republik, unter denen es keine Rangfolge gibt. Über neun Prozent der Beschäftigten Nordhessens arbeiten bereits in der Logistikbranche. Der Bundesdurchschnitt liegt mit 2,8 Mio. Beschäftigten bei acht Prozent. Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind es sogar 14,5 Prozent – durch Amazon, Hermes und Libri. Neben diesem Standort mit seinen Branchengrößen gilt auch der Raum Kassel als äußerst attraktiv. Wichtiger Erfolgsfaktor für die Region sei der Ausbau von Straßen und Autobahnen. Zudem sei die Vermarktung der Flächen aus einer Hand – etwa durch das Regionalmanagement Nordhessen – vorbildlich, lobte Nehm.

Trotz des guten Abschneidens sieht er „Herausforderungen für die Region“. Denn obwohl das Standortprofil der regionalen Logistiker auf die Autobranche fokussiert und damit klar definiert ist, sollten sich die Unternehmer fragen, welche Kundengruppen erschlossen werden können, um in Krisenzeiten nicht in der Sackgasse zu landen. Auch eine Warenstrom-Analyse würde sich lohnen, um neue Kunden zu entdecken. Letztlich verweist Nehm darauf, Kooperationen mit anderen Regionen anzustreben Das Krisenjahr 2009 hat der Logistikmarkt gut verkraftet, sagt Nehms Institutskollegin Prof. Evi Hartmann. Sie hält ein Umsatz-Plus von bis zu sechs Prozent bei der Kontrakt-Logistik für realistisch. Getrieben wird es bei diesen Dienstleistungen entlang der Produktionskette vor allem durch die Nachfrage aus Brasilien, Russland, Indien und China. Die Wirtschaftsingenieurin weiß: „Wir sind auf dem besten Weg den Rekordumsatz von 2008 zu erreichen.“ Wenn nicht wieder irgendwelche Katastrophen eintreten.

Quelle: HNA, Ausgabe vom 23.06.2011, „Geschäft mit der guten Lage“ von Dorothea Backovic